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28 Apr

„Man muss ohne Funkgeräte auskommen“

Der Isnyer Peter Haupt aus Isny ist Trainer Alpin beim Deutschen Gehörlosen-Sportverband.

Peter Haupt, Trainer Alpin beim Deutschen Gehörlosen Sportverband, freut sich noch dieses Jahr mit seinem Team für zwei Wochen nach Santa Catarina zu den Olympischen Spielen (Deaflympics) zu fahren.

Peter Haupt aus Isny ist seit Oktober 2017 Trainer für Gehörlose beim Sportverband Essen. Der hauptberufliche MaschinenbauIngenieur hat zusätzlich die DSV Trainer Lizenz C. Die Vergütung als Trainer erfolgt auf Honorarbasis als Nebenjob. Im Interview spricht der 34-jährige über die Herausforderungen.

INTERVIEW VON NICOLE MÖLLENBROCK

Wie unterscheidet sich ein Training im Ski Alpin für Gehörlose im Vergleich zu Hörenden?

Da die Athleten im Training 100 Prozent taub sind, muss der Trainingsablauf immer im Vorfeld schon gut erklärt werden. Der größte Unterschied ist, dass man ohne Funkgeräte auskommen muss. Daher sind wir in der Regel zwei Trainer: Einer oben und einer unten vom Hang. So können wir die Aufgaben und Korrekturen direkt den Athleten erklären. Ist man allein als Trainer, wird es noch schwieriger. Hier muss der Trainer immer mit der Gruppe mitfahren, um so das Feedback zu geben.

Wie muss man sich das Training vorstellen?

Das Training findet eigentlich gleich statt wie bei Hörenden. Wenn man am Berg ankommt, starten die Trainer gleich zur Trainingsstrecke mit den Stangen und sonstigem Material, um den Kurs vorzubereiten. Die Athleten bekommen im Vorfeld immer ein paar Aufgaben um sich selbstständig einzufahren und aufzuwärmen. Während dem Stangentraining bekommen die Athleten Aufgaben zugeteilt, um ihre allgemeine disziplinspezifische Technik – entweder Slalom oder Riesenslalom oder Super G – zu verbessern. Im weiteren Verlauf des Trainings bekommen sie, wie hörende Athleten, ein Feedback zu ihren Fahrten mit individuellen Korrekturen und Aufgaben um sich zu verbessern.

Wie viele Personen sind im Kader und wo kommen die her?

Für die Olympischen Spiele (Deaflympics ) wurden von unserem 7-köpfigen A- und B- Kader fünf Athleten vom Verband nominiert. Leider wurde keine Frau nominiert, sodass wir fünf Männer im Alter von 16 bis 41 dabei haben. Sie kommen hauptsächlich aus dem Allgäu, aus dem Raum Pfronten, Oberstdorf .

Wo trainieren Sie?

Das ist sehr unterschiedlich: in der Vorsaison (September bis Dezember) hauptsächlich auf Glätschern ( z. B. Hintertux oder Stubai). In der Hauptsaison trainieren vorwiegend im Allgäu, im Raum Pfronten, Oberstaufen oder Tannheimertal.

Worauf müssen Sie besonders achten?

Da die Athleten oftmals meine noch nicht perfekten Gebärden 100-prozentig verstehen, muss man oft viel Geduld haben und auch die Aufgaben oft wiederholen. So lange bis sie es verstanden haben.

Was macht den Hauptunterschied aus?

Man muss beachten, dass die Athleten nur zwei der vier Sinne fürs Skifahren zur Verfügung haben: nur Gefühl der Beine und die Augen, beziehungsweise das Gehöhr und Gleichgewichtsorgan funktioniert nicht! Daher muss man immer bedenken, dass die Aufgaben im Training noch mehr dem Gelände angepasst werden, sonst sind die Athleten überfordert. Kommt dann nochNebel oder Schneefall dazu, fehlt den Athleten auch noch die Sicht. Dann kann fast kein Training mehr durchgeführt werden.

Welche Voraussetzungen sind für Sie als Trainer notwendig?

Eine Trainerausbildung, um die Professionalität zu gewährleisten, viel Geduld, die Bereitschaft und das Talent die Gebärdensprache zu erlernen und anzuwenden.

Was reizt Sie an dieser Tätigkeit?

Mich reizt die vielseitige Arbeit und gleichzeitig Professionalität. Auf der einen Seite sind wir ein sehr kleiner Verein, in dem man sich um alles selbst kümmern muss. Dazu zählt das Sponsoring, Kleidung, Trainingspläne, Trainings, Marketing, und vieles mehr. Auf der anderen Seite fahren wir zu Olympia und müssen uns an alle offiziellen FIS Regeln und IOEC Regeln halten. Beispielsweise an die Dopingkontrollen, Ausrüstung wie im Weltcup bei den Hörenden, gleiche Disziplinen wie im Weltcup mit gleichen Regeln. Dazu kommt man durch den gehörlosen Europacup. Das ist die höchste Rennserie für Gehörlosen – vergleichbar wie der Weltcup bei den Hörenden an Orte, die man sonst nie sehen würde, z. B. Les Gets in Frankreich.

Gibt es ein besonderes Erlebnis?

Besonders freue ich mich noch dieses Jahr mit dem Team für zwei Wochen nach Santa Catarina zu den Olympischen Spielen (Deaflympics) zu fahren. Das wird ein sehr sehr spannendes Abenteuer.

Quelle aus Südfinder